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Höhlen für Welse und andere Fische

Seit ich mich mit der Zucht von Welsen befasste, ergab sich ein Problem. Ich benötigte mehr Höhlen. Aber nicht jede Höhle aus dem Zoohandel war geeignet für die Zucht. Zumal diese auch nicht zur Zucht gedacht waren sondern als Aquariendekoration. Ein hohler Baum aus Keramik, der hingelegt wurde und als Höhle herhalten musste. Oder ein liegender Stamm aus Keramik der seitlich zwei Löcher aufwies und an einem Ende spitz zulief .Oder aber die guten alten halben Kokosnussschalen mit einem Loch als Eingang. Ein paar meiner Züchter- Kollegen töpfern ihre Höhlen selbst und lassen Sie dann brennen. Das kam für mich nicht in
Betracht. Zumal diese Dinger aussahen als hätte ein nackter Mann dafür Modell gestanden.

In dem liegendem hohlen Baum züchtete eine Ancistrusart. Diese Höhle hatte seitlich noch Äste und ich wusste nie, haben Sie nun Eier oder nicht? Erst wenn die Jungen den Baum verließen wusste ich bescheid. Denn dann musste ich Sie einfangen. Also waren Sie für die Zucht tauglich. Aber ich konnte nie erkennen ob ein Gelege vorhanden war. Was wäre wenn fünf verschiedene Arten in einem Becken gezüchtet werden sollten? In fünf dieser Bäume? Die Äste wären eine Behinderung beim Einfangen der Jungen. Also waren Sie für mich ungeeignet.
 

Ansicht der Höhlen, je nach Art sind unter- schiedliche Höhlen zu benutzen © 2004 Gerd Arndt



Der liegende Stamm mit den seitlichen Eingängen wurde auch als Bruthöhle angenommen.
Aber auch hier wusste ich nie ob ein Gelege vorhanden war. Junge entdeckte ich erst wenn Sie die Höhle verließen. In dem spitz zulaufendem Ende des Stammes entdeckte ich irgendwann ein totes Weibchen das so dermaßen festsaß, dass ich es nicht herausziehen konnte. Als ich die Keramik zerschlug stellte ich fest, das Weibchen hatte die Kiemenstacheln abgespreizt und konnte weder vor noch zurück. Die gleiche Erfahrung hatte ich schon einmal mit dem Ende eines Röhrenknochens der als Höhle herhalten musste gemacht, nur war es dort ein Männchen.

Die halben Kokosnussschalen wurden leider nicht von allen Arten angenommen. Und auch hier entdeckte man die Jungen erst wenn Sie die Höhle verließen. Und die getöpferten Höhlen kamen für mich aus den bekannten Gründen nicht in Betracht.

Ich musste, wie immer wenn es um die Fische ging, den Dingen auf den Grund gehen. Als erstes besorgte ich mir verschiedene Materialien. Sie mussten verarbeitbar und mit Silikon zu verkleben sein. Das waren schwarze Schieferplatten, erdbraune Sandsteinplatten und hellbeige, fast weiße Solnhofer Platten. Geschnitten wurden die Platten mit einer Steinscheibe.
Aus jedem Material klebte ich mit Silikon fünf verschieden große Höhlen.
Jetzt mussten die Fische entscheiden. Nach vielen Versuchen, stellten sich zwei Dinge heraus:


1. Wenn die Fische wählen konnten zwischen den drei Farben, wurde immer der schwarze Schiefer angenommen. Selbst der Zebrawels entschied sich immer für den Schiefer. Obwohl die Solnhofer Platten fast die gleiche Farbe hatten wie der Fisch selbst, also eine gute Tarnung wären. Die Erdbraunen Höhlen wurden auch gern angenommen. Die hellen Höhlen nur, wenn alle anderen besetzt waren.
2. Die Männchen suchten sich mit Vorliebe die Höhlen aus, die in etwa Ihrer Größe entsprachen also sehr eng waren. Im laufe der Zeit stellte sich dann heraus, dass ein Ancistrusmännchen von beginn der Geschlechtsreife bis zum ausgewachsenen Fisch mehrere verschieden große Höhlen benötigt.


Jetzt konnte ich für jede Art, ja sogar für jedes Männchen die richtige Höhle bauen. Dass die Fische sich den Schiefer aussuchten, gefiel mir gut, war er doch am einfachsten zu verarbeiten.
Die Solnhofer Platten waren sehr hart und konnten nur auf ca.1 cm Plattenstärke gespalten werden, wobei Sie manchmal splitterten wie Glas. Bei dem Sandstein gab es Schwierigkeiten bei der Verklebung. Der Sandstein war sehr porös und unter Wasser löste sich das Silikon vom Stein. Erst ein Anstrich mit Flüssigem Silikon erlaubte eine problemlose Verklebung. Ganz anders der Schiefer, hier gab es bei der Verarbeitung keine Probleme. Auch die Befürchtungen einiger Kollegen dass im Schiefer Kupfereinschlüsse sein könnten, haben sich nicht bestätigt. Weder bei mir noch bei befreundeten Züchtern.
 

Höhleneingang © 2004 Gerd Arndt verschiedene Größen © 2004 Gerd Arndt



Ich begann also die Fische zu „vermessen”. Ein Zollstock wurde entweder an die Frontscheibe oder sogar ins Wasser gehalten. Jedes Männchen „Länge x Breite x Höhe”. Es wurde sogar eine „Grundregel” aufgestellt. Die Höhlenlänge entspricht der Länge des Fisches plus 1-2 cm. Die Höhlenbreite entspricht der Breite des Fisches mit halb abgespreizten Brustflossen. Und die Höhe der Höhle entspricht der Höhe des Fisches mit halb aufgerichteter Rückenflosse.


De Männchen wollten eine möglichst enge Höhle mit nur einem Eingang. Ich nehme an, dass es mit der Verteidigung des Geleges zu tun hat. Das Männchen kann bei einem engen Eingang die Höhle mit seinem Körper verschließen und so das Gelege schützen. Und ich konnte diese Höhlen so an der Sichtscheibe platzieren, dass ich die Zucht unter Kontrolle hatte. Wenn das Männchen mit den Bauchflossen wedelte, hatte es ein Gelege oder zumindest konnte es bis zur Eiablage nicht mehr lange dauern. Mittels einer Taschenlampe konnte ich das leicht feststellen.
Beim Bau der Höhlen hatte ich nur darauf geachtet, dass drei Höhlen der verschiedenen Materialien die gleiche Größe hatten. Zwei Schieferhöhlen waren darunter, die ein seitlich überhängendes Dach hatten. Wenn ein Weibchen sich für ein Männchen entschieden hatte, legte Sie sich unter dieses Dach neben den Eingang zur Höhle. Dadurch war Sie vor Feinden von oben geschützt und konnte gleichzeitig verhindern, dass sich andere Weibchen für „Ihr” Männchen interessierten..

Hypancistrus zebra (L46) © 2004 Ingo Seidel laichende L 66 Hypancistrus spec. © 2004 Ingo Seidel

 Wenn also ein Weibchen neben der Höhle lag, hieß es für mich „aufpassen” Sowie ein Männchen ein Gelege pflegte, entnahm ich die Höhle mitsamt Gelege und Männchen
und überführte Es in ein Aufzuchtbecken. Das ersparte mir das spätere Einfangen im großen Becken.

Von anderen Fischarten werden die Höhlen ebenfalls gern angenommen. Es sind beliebte Aufenthaltsorte für Schmerlen. Die Wüstengrundel und die Schläfergrundel züchteten regelmäßig in Höhlen, die ihrer Größe entsprachen. Die Wüstengrundel legte ihre Eier an der Höhlendecke ab und befächelte sie mit ihrer Rückenflosse. Sie benötigte die gleiche Höhlengröße wie der Hypancistrus zebra. Anders die Schläfergrundel, sie legte ihre Eier hinten in einer Ecke ab. Auch hier war es eine
Zebrahöhle.
Zwei Apistogrammaarten laichten ebenfalls regelmäßig in einer Höhle ab. Auch hier an der Decke. Allerdings waren die Höhlen breiter und höher.

Sicher sind hier noch viele andere Fischarten, die diese Höhlen gerne annehmen. Über Kommentare würde ich mich freuen.

 

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Copyright © 2006 Gerd Arndt
Stand: 26.03.06